XI. Die unechten, die Pseudo-Briefe

1. Im Voraus:

Paulus gehört zur ersten Generation der christlichen Autoren. Nach deren Tod werden ihre Werke «fortgesetzt». Auch die Evangelien entstehen.
Die zweite und dritte christliche Generation hat das Sagen.

Im NT finden wir 21 Briefe, von denen wenigsten 10 unecht sind, d. h. sie nennen als Autor einen bekannten Apostel, der diesen Brief jedoch nicht geschrieben hat.

Folgende Briefe werden unter dem Namen Paulus aufgezählt:

  • 2. Brief an die Thessalonicher
  • Kolosserbrief
  • Epheserbrief
  • Die drei Pastoralbriefe : Die beiden Briefe an Timotheus und der Titus-Brief.
  • In der Gruppe der sog. Katholischen Briefe werden Apostel aus Autoren genannt:

    • 1. u 2. Petrusbrief
    • Judasbrief
    • Jakobusbrief
  • Ein ganz und gar eigenständiges Werk ist der Hebräerbrief.

    Er behauptet zwar nicht, dass er von Paulus stamme, legt es aber seinen Lesern nahe.

  • Der erste Johannesbrief gehört ebenfalls in die Reihe der unechten Brief. Dazu später, unter dem Stichwort Johannes!

Die Unterscheidung der echten Briefe von den Fälschungen ermöglichen, viel deutlicher zu sehen, welche Änderungen im Übergang zur 2. und 3. Generation vorgenommen wurden. Die Pastoralbriefe z. B. (1 Tim und 2 Tim und Tit) drängen Frauen aus den Leitungsämtern der Gemeinde, was bei Paulus nicht vorstellbar ist. (Eine Änderung, die uns bis heute in der Kirche nachgeht!)

2. Wie entstehen unechte – Pseudo-Briefe?

Unechte Briefe sind Fälschungen. Auch die Antike verwarf solche Praktiken. Als Ende des 2. Jh. herauskam, dass ein Presbyter die Akten des Paulus und der Thekla (aus Liebe zu Paulus) gefälscht hatte, musste er sein Amt niederlegen, wie Tertullian berichtet (de baptismo 17).

Im Gottesdienst unserer Gemeinde hören Sie bisweilen: «Wort Gottes nach Paulus!» oder «Wort Gottes nach dem Epheserbrief!» Wir unterscheiden die echten Briefe von den Fälschungen.

Die Frage stellt sich natürlich, wie gehen Fälschungen mit Wahrheit zusammen? Wie kommen die Fälschungen gar in den Kanon? Keine leichten Fragen!

  • In den antiken Schreibschulen (Grammatikschulen) war es üblich, sich im Stil eines anderen zu üben, Texte zu verfassen, die dem Original sehr nahe kamen. «Technisch» war es daher kein großes Problem – aber warum wurde «gefälscht»?
  • Im 2. Brief an die Tessalonischer (= Fälschung) lesen wir:

    «Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da. Lasst euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt. Erinnert ihr euch nicht, dass ich euch dies schon gesagt habe, als ich bei euch war?»

    2 Thess 2,2-5

    Offenbar gab es Fälschungen verschiedener Art. Die einen – hier spielt unserer sog. Paulusbrief an – verkünden eine falsche Botschaft, führen in die Irre, jagen Angst und Schrecken ein. Die anderen beruhen auf Paulus-Worten, die seine Schüler zusammengefasst und in Schriftform präsentiert haben. Für unser Beispiel heißt das: Der 2. Thess ( = Fälschung) geht beim Thema «Mensch der Gesetzwidrigkeit» über den Inhalt des 1. Thess (= echter Paulusbrief!) hinaus.

  • Paulusschüler haben dessen Gedanken zusammengetragen und unter seinem Namen der Gemeinde in Thessaloniki einen weiteren Brief geschrieben. Sie waren überzeugt, dass sie die Paulus Worte, Ansichten, Meinungen authentisch wiedergeben! Die ersten christlichen Gemeinden waren auf mündliche Kommunikation angelegt!
  • Die Antike kannte sogar die Meinung, es gelte als Werk des Lehrers, was die Schüler publizieren (Tertullian: Adversus Marc IV 5,4). Auf einem anderen Gebiet gilt in unsren Tagen Ähnliches: Schule des Hans Leinberger, aus der Asam-Schule – wenn wir uns mit bildender Kunst auseinandersetzen!
  • Paulus schickt z. B. den Timotheus nach Thessaloniki, er solle den Brief (1 Thess) überbringen. Timotheus wird zum authentischen Interpreten des Paulus!

    In 1 Kor 4,17 heißt es:

    »Eben deswegen schicke ich Timotheus zu euch, mein geliebtes und treues Kind im Herrn. Er wird euch erinnern an meine Weisungen, wie ich sie als Diener Christi Jesu überall in allen Gemeinden gebe.»

    Wenn Timotheus schon zu Lebzeiten des Paulus als sein Sprecher auftreten konnte und vom ihm höchstpersönlich dazu bestellt war, warum sollte er nicht auch nach dem Tod des Paulus in dessen Sinn reden und schreiben?

  • Es ist sicher anzunehmen, dass Paulus vielmehr gesprochen hat, als in seinen eigenen Briefen aufscheint!
  • Mit Ausnahme des Römer- und des Galaterbriefs nennt Paulus in seinen Briefen die Mitautoren im Briefeingang. Wer die Theologie des Paulus mitentwickelt hat, wer von ihm als Briefautor genannt wird, der wird sich sicherlich weiterhin als sein Sprachrohr verstanden haben.
  • Man muss keine Fälschungsabsicht unterstellen, um zu begründen, warum andere unter dem Namen des Paulus schreiben.

3. Die Pseudo-Briefe und die authentischen

Der 2. Thess lehnt sich an den 1. Thess an. Er könnte Paulusworte wiedergeben, die von seinem Aufenthalt in Thessaloniki in Gehör blieben. Auf die Weiterführung zum Thema «Mensch der Gesetzwidrigkeit» wurde schon oben hingewiesen.

Kol und Eph fußen nicht auf einem einzigen Brief, sie bringen die gesamte Theologie des Paulus in einem neuen Gewand wieder. Alle echten Briefe klingen in ihnen nach.

Bei den Pastoralbriefen ist die Sachlage nicht einfach. Wahrscheinliche sind sie von Anfang an als eine Einheit von drei Briefen gedacht. Sie sprechen eine praktische, nüchterne Sprache. Sie unterstellen «Echtheit»: Der längst tote Paulus bittet, man möge ihm seinen vergessenen Mantel und die Bücher bringen! (2 Tim 4,13). Wenn der Verfasser hier nicht ein Stück eines früheren, uns unbekannten Paulusbriefes (in 2 Tim 4.9-17) verarbeitet hat, erleben wir den Übergang zur bewussten Fälschung!

Die anderen Briefe – nicht echt – nutzen die Namen zweier Herrenbrüder: Jakobus und Judas. Die Briefform übernehmen sie von Paulus, inhaltlich gehen sie fast einen konträren Weg, schaffen zu den Paulinen ein echtes Gegengewicht.

In 2 Petr werden die Adressaten sicherlich die konstruierte Berufung auf den Apostel Petrus durchschaut haben.

Bleiben noch der Hebr und der 1. Joh übrig. Sie sagen nicht direkt, von wem sie stammen, lassen aber den Leser im Glaube, es handle sich um Paulus bzw. um Johannes. Nur oberflächlich betrachtet handelt es sich um Briefe. Beide Texte vertreten ganz eigenständige Theologien.

Die Apostelschüler verstehen sich als Stellvertreter des Paulus. Sie haben offenbar keine Absicht zu fälschen. Nach dem Tod der Apostel wurden Briefe weiterhin gebraucht. Die große Gemeinde um Paulus erklärt, warum die meisten der unechten Briefe dem Paulus zugeschrieben wurden.

4. Die unechten Paulusbriefe

4. 1. Der zweite Brief an die Gemeinde in Thessaloniki (2 Thess)

2 Thess ahmt nach außen hin den ersten Brief nach (1 Thess), vertritt aber inhaltlich das Gegenteil: In 1 Thess (wir haben und damit schon beschäftigt) redet Paulus von der «Naherwartung» Die derzeit Lebenden werden mit den schon Verstorbenen in den Himmel entrückt, wenn Christus bald wiederkommt! 2 Thess warnt vor der Naherwartung! Die Naherwartung ist nicht eingetreten. Man mag Paulus wohl gefragt haben, wie es sich damit verhält! Paulus könnte seinen ersten Brief korrigiert haben – das Ende der Zeit zögere sich hinaus!

4. 2. Der Kolosserbrief

Der Mitarbeiterkreis des Paulus kämpft gegen die Meinung, die Welt sei religiös verklärt. Naturverklärungen treten an die Stelle der Religion.

Kol 2,8:

«Gebt acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehre verführt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen und sich auf die Elementarmächte der Welt, nicht auf Christus berufen.»

Der gekreuzigte und auferstandene Mensch Jesus hat allein verpflichtenden Anspruch! Wer sich an diesen Jesus bindet, wird frei von allen Mächten dieser Welt! Dennoch schärft Kol in seinen Haustafeln (Kol 3,18 – 4,1) den Frauen, Kindern und Sklaven die Unterordnung ein und verweist Männer, Väter und Herren in ihre Schranken. Bei der weit angelegten Sklavenermahnung hat man den Eindruck, als würden Erwartungen, die aus dem Philemonbrief erwachsen könnten, zurückgenommen.

4. 3. Der Epheserbrief

Der Eph hat den Kol als Vorlage und entstammt dem selben Autorenkreis. Etwa um das Jahr 100 n. Chr. wird die Theologie das Paulus weiter geschrieben. Im Eph findet sich keine Polemik. Paulus erscheint als der große Versöhner. Er predigt Christus, der Juden und Heiden in einem Leib vereinigt! Dies widerspricht der Realität: sowohl was das Leben des Paulus betraf, wie auch der Situation der Christen und Juden um die Jahrhundertwende!
Auch in einem anderen Punkt wird Paulus weitergeführt: Für Paulus gab es unüberwindbare Spannungen zwischen ehelicher Liebe und religiöser Bindung. Verheiratete sind gespalten zwischen ihren Partnern und Christus

vgl. 1 Kor 7,32 f:

«Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt.»

Der Eph schreibt die Spannung in Harmonie um, deutet sie als Abbild: Die Ehe ist Abbild des Verhältnisses von Christus zu seiner Kirche. In der Ehe kann jeder ein heiliges Leben führen, sexuelle Gemeinschaft ist Abbild der Vereinigung Christi mit seiner Kirche.

vgl. Eph 5:25 ff

«Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche.»

Eine so hohe Auffassung der menschlichen Sexualität, wie wir sie im Eph finden, kennen andere Texte des NT nicht.
Eine Sehnsucht nach Einheit und Harmonie durchzieht diesen Brief. Christus ist es, der das All zusammenfasst und zur Einheit führt. Die Kirche ist die Vorläuferin dieser Einheit und die eheliche Liebe ihr irdisches Symbol.

Zu den schon vorhandenen echten und den o. a. Pseudo-Paulusbriefen tritt eine dritte, weiter «Überarbeitung». Dabei erleben wir mehr eine Timotheos und Titus-Tradition, als die des Paulus. Es geht um sehr handfeste Anweisungen. Das Bild der Gemeinde – Paulus: Leib und die Glieder, jedes in seiner Art wichtig und unverzichtbar – fehlt. Dafür erscheint das Bild vom Hauswesen. Der «pater familias» – der Hausvater, der Bischof mit seinen Diakonen, der zugleich in einer Gemeinschaft der Ältesten (Presbyter) eingebettet ist. Die Pastoralbriefe verschmelzen zwei unterschiedliche Gemeindemodelle:

das aus dem paulinischen Bereich stammende Bild vom «Aufseher = episkopus» an der Spitze und
eine aus dem judenchristlichen Gemeinden stammende Bild von der Gemeinschaft der «Ältesten = Presbyter» an der Spitze.
Die Frauen sollen nicht lehren (1 Tim 2,12) – die Aufseher (episkopeu) sollen fähig sein zu lehren (1 Tim 3,2)
Paulus weiß noch um das Charisma jedes einzelnen Christen, bei 2 Tim 1,6 hat nur der Aufseher (Episkopus – Bischof) ein Charisma.
Bei Paulus ist die Ehelosigkeit eine der Ehe überlegene Lebensform, in den Pastoralbriefen werden die Frauen zur Ehe verpflichtet.

Auffällig ist, wo die Pastoralbriefe direkt dem Paulus widersprechen, lassen die neuen Autoren den «Paulus» in der Ich – Form reden lassen! Paulus lässt sich nicht interpretieren, er widerruft seine ursprüngliche Meinung!

Beispiele:

1 Tim 2,12

«Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten.»

1 Tim 5,14

«Deshalb will ich, dass jüngere Witwen heiraten, Kinder zur Welt bringen, den Haushalt versorgen und dem Gegner keinen Anlass zu übler Nachrede geben.»

Es springt ins Auge: Die Pastoralbriefe sind Frauen gegenüber nicht wohl gesonnen!

5. Die katholischen Briefe

Die o. a. große Schule des Paulus (Zentrum ist wohl Ephesus) hat eine ganz unterschiedliche Reihe von Briefen hervorgebracht.
Hinter dem Petrusbrief steht keine Petrusschule, hinter dem Jakobusbrief keine Jakobusschule.
Die Namen stehen für bestimmt Strömungen in den frühen christlichen Gemeinden: Petrus für die christliche Gemeinde als Ganzes, Jakobus und Judas für die Gemeinden aus den Judenchristen. Die Briefe verstehen sich auch als Konkurrenz zu Paulus und dessen Schule.

5. 1. Der erste Petrusbrief

Wir verhalten sich Christen im heidnischen Staat?
Bei Paulus (Röm 13) gibt es ein Verbot, sich der staatlichen Gewalt zu widersetzten. Im 1 Petr fehlt dieses Verbot! Der Staat ist einen von Menschen geschaffene Ordnung. Er soll die Guten fördern, die Bösen bestrafen. Christen haben dabei als Freie mitzuwirken.

Innerlich sind die Christen allen anderen überlegen, doch ihre Unterordnung und ihre Diskriminierung ist groß. Die ablehnende Umwelt sollen sie geduldig ertragen. Daraus entwickelt 1 Petr eine differenzierte Darstellung des Leidens, ähnlich wie bei Paulus. Das Leid der Christen soll wie ein Appell an die Umgebung wirken:

1 Petr 3,16:

«Dann werden die, die euch beschimpfen, weil ihr in (der Gemeinschaft mit) Christus ein rechtschaffenes Leben führt, sich wegen ihrer Verleumdungen schämen müssen.»

Die Mitmenschen glaubt man auf diese Weise zu verunsichern und zu bekehren.

5. 2. Der Jakobusbrief

Der Jakobusbrief will Paulus nicht weiterführen, er will ihn korrigieren. Die Auseinandersetzungen Paulus mit den Judaisten hatten ein verzerrtes Bild der juden-christlichen Gemeinden hinterlassen. Dagegen wendet sich der Jakobusbrief, der den Herrenbruder Jakobus (im Jahr 62 hingerichtet) als Gewährsmann nimmt. Jak verteidigt das Judenchristentum gegenüber der Paulinischen Verzerrungen.

Gegen Ende des 1. Jh. nach Chr. hat sich die Situation gewandelt. Die Judenchristen ersetzten den Tempel und den darin gefeierten Kult durch ein sehr hoch stehendes sittliches Verhalten. Im Jak finden sich keine rituellen Forderungen.

Judenchristen bilden sich auf ihren Status nichts ein. Falschen Respekt vor Höherstehenden geißelt Jak als einen Verstoß gegen das Liebesgebot! Unter Christen darf es kein Ansehen der Person geben!

Jak 2,1:

«Meine Brüder, haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit, frei von jedem Ansehen der Person.»

Gal 2,6:

«Aber auch von denen, die Ansehen genießen - was sie früher waren, kümmert mich nicht, Gott schaut nicht auf die Person -, auch von den «Angesehenen» wurde mir nichts auferlegt.»

Paulus war der Meinung, Judenchristen wollten durch Werke des Gesetztes gerecht werden. Er hatte dazu Abraham ins Feld geführt. Jak betont dagegen, dass Abraham nicht nur durch Glauben, sondern sehr wohl auch durch sein Verhalten vor Gott gerecht geworden ist. (Jak 2,14-26)

5. 3. Der Judasbrief

Der Judasbrief wendet sich im Namen des Herrenbruders Judas gegen die Meinung, die behauptet: Sie missachten die Macht des Herren und lästern die überirdischen Mächte. In den Pseudopaulinen werden die Mächte des Himmel der Macht Christi untergeordnet

vgl Kol 1:16:

«Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.»

Der Judasbrief

Jud 1,8

«Genauso beflecken sich auch diese Träumer, sie missachten die Macht des Herrn und lästern die überirdischen Mächte.»

lehnt sich gegen diese Paulinische Pietätlosigkeit auf. Selbst Michael der große Engel habe es nicht gewagt, gegen den Teufel zu lästern! (Jud 1,9)

5. 4. Der zweite Petrusbrief

Auch der 2. Petr. will zusammen mit Jud den Paulus korrigieren.

Aus 2 Petr 3:15:

«Seid überzeugt, dass die Geduld unseres Herrn eure Rettung ist. Das hat euch auch unser geliebter Bruder Paulus mit der ihm geschenkten Weisheit geschrieben; es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen, und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, verdrehen diese Stellen ebenso wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.»

ist sowohl eine Ironie wie auch ein Missverständnis der Paulusbriefe herauszuhören. Im 2 Petr. geht es um die Verzögerung der Wiederkunft Christi. Er will Paulus «umdeuten». Für 2 Petr sind 1000 Jahre wie ein Tag, die Verzögerung der Parusie gibt jedem eine Chance zur Umkehr. Die Parusie wird wie der Dieb in der Nacht einbrechen!

In 2 Petr 3,4 nimmt sich der Autor selber auf den Arm:

«Wo bleibt denn seine verheißene Ankunft? Seit die Väter entschlafen sind, ist alles geblieben, wie es seit Anfang der Schöpfung war.»

Er schreibt unter dem Namen Petrus und sagt, die Väter (also die Apostel) sind bereits tot!

6. Der Hebräerbrief

Nirgends ist im Hebr. die Autorenschaft der Paulusschule ausgesprochen. Doch der Verfasser will sich mit Timotheus treffen und zusammen mit ihm zu den Briefempfängern kommen. So legt er eine Fährte zu Paulus!

vgl. Hebr 13,23:

«Wisst, dass unser Bruder Timotheus freigelassen worden ist; sobald er kommt, werde ich mit ihm zusammen euch besuchen.»

Der Hebräerbrief ist ein theologisches Werk, eigenständig wie Paulus und Johannes!

Alle Religionen der Antike hatten Tempel, hatten Opfer und Priester – nur die Christen nicht! Endgültig hat die Zerstörung des Tempels in Jerusalem (70 n. Chr.) dies besiegelt. Nun tritt der Hebr. auf: Die Christen haben einen Tempel: die Welt und den Himmel. Der Kosmos ist der Tempel der Christen. Sie haben einen Priester: Christus. Sie haben ein Opfer: Christus, der allen anderen Opfern der Menschen ein Ende macht. Christen folgen ihrem Priester Christus, werden so selber «Hohepriester», dürfen das Allerheiligste betreten. Der Weg dorthin gleicht einer Wanderschaft in der Wüste (Hebr 3,7-19), ist den Gefahren der Geschichte ausgesetzt (Hebr 11,1ff). Es gilt Ausdauer zu zeigen. Wer zu Fall kommt, kann ein einziges Mal umkehren

Hebr 6,4 ff.

«Denn es ist unmöglich, Menschen, die einmal erleuchtet worden sind, die von der himmlischen Gabe genossen und Anteil am Heiligen Geist empfangen haben, die das gute Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt kennen gelernt haben, dann aber abgefallen sind, erneut zur Umkehr zu bringen;»

Gerade diese Haltung hat dem Hebr. lange Zeit die Aufnahme in den Kanon der (West-) Kirche verwehrt!

Sept 2003 - hö