Franz Nagel

Lebensdaten

geboren 1. 9. 1907 in Günzburg
Gestorben am 22. 03. 1976 am Tegernsee.

Nach seiner schulischen Ausbildung und dem Abitur in Günzburg,
studiert er von 1926 bis 1929 in Gurk /Steiermark Theologie,
geht dann von 1929 bis 1931 an die TU München und studiert Architektur,
bis er dann von 1931 bis 1939 an der Akademie der bildenden Künste in München seine endgültige Ausbildung erhält: Maler und Graphiker.

1939 bis 1940 lebt er in München als freischaffender Maler.
1940 bis 45 wird er zum Militärdienst eingezogen, kommt als Gebirgsjäger nach Russland.

Von 1945 bis 1947 lebt er wiederum als freischaffender Künstler in München.
1947 bis 1975 ist er ordentlicher «Professor für Malerei und Graphik mit besonderer Berücksichtigung der großen Kompositionen und der Belange der christlichen Kunst».

[1960 bis 1963 und 1969 bis 1970 auch Präsident der Akademie; 1967 ordentliches Mitglied der Akademie der schönen Künste in München]

Die Erlebnisse im Krieg haben sein künstlerisches Schaffen enorm beeinflusst. Ausgehungert sucht er für die erfahrenen inneren Erschütterungen einen künstlerischen Ausdruck. Gegenüber seinen Werken vor dem Krieg fallen die geometrischen Formen auf, die das ganze Bild wie in Scherben zerteilen und dennoch Konturen, Figuren, Formen, Zuordnungen und Spannungsbögen erleben lassen.

Aus seinen Feldpostbriefen seien zwei Episoden erwähnt:

Am Abend nach der Kesselschlacht von Uman: Die Toten und Verwundeten liegen in langen Reihen auf dem Feld. Das gelbe Antlitz eines Mongolen mit unendlich traurigen Augen, zu müde schon, um noch die Lider mehr als für einen kleinen Schlitz zu heben, wurde immer blässer, immer stiller. Als er sich nicht mehr rührte, war ein Schein, wie eine Gloriole, um sein Haupt.

Als sie beim Sturm auf ein Dorf die Tür eines Hauses aufstießen, fanden die Soldaten einen Mann im Raum sitzen, den Rücken ihnen zugekehrt, ruhig, als ob ihm das kriegerische Geschehen gar nichts anginge. Wie sie sich dem Mann näherten, sahen sie, dass er aus einem Buche las. Als er endlich aufschaute und von ihnen Notiz nahm, blickten sie in ein mildes, von einem schwarzen Bart umrahmtes Gesicht. Das Buch war die Heilige Schrift und der Mann der Ruhe inmitten des Kriegslärms der Pope des Ortes. Aus dieser kriegerischen Begegnung blühte eine dreitägige Freundschaft mit Franz Nagel auf, bis die Truppe wieder abrückte.

Werke

Berühmte Architekten, wie Dominikus Böhm gehen im Gelegenheit, sein Können der Kirche zur Verfügung zu stellen. Besonders Friedrich Haindl, der viel gefragte Architekt nach dem Krieg – bot Franz Nagel große Flächen zu gestalten.

Ich wähle nur die zeitgleichen Werk aus:

  • 1956 in St. Jakob am Anger (Kloster der Armen Schulschwestern): Die Decke der Kirche mit den Freuden Mariens – übrigens ist St. Jakob am Anger im München das «Modell» unserer Kirche!
  • 1957 St. Wolfgang in Landshut: die Altarwand: das Himmlische Jerusalem
  • 1957 in Amberg (Hl. Familie) Die Altarwand: Flucht nach Ägypten
  • 1959 in München, St. Bernhard: Die Altarwand: Das Abendmahl

27 Monumentale Bilder in Kirchen – alle in Kalkkaseinfarben al secco erstellt. Als Motive finden wir immer wieder: die Vollendung der Welt, das Himmlische Jerusalem, das apokalyptische Lamm.

Den höchsten Anspruch, den er an seine Kunst stellte – gibt ein Wort an einen seiner Studenten wider, der müht sich mit einem Ölgemälde ab:

«Hör doch hin, wenn du malst. Merkst du denn nicht, dass das Rot sagt, dass es zu dick aufgetragen ist und dass es nicht unvermischt da stehen will?! Alle Farben wollen lebendig werden, und das werden sie erst, wenn Du beim Malen Dich selber hineinmischst»

Franz Nagel zu einem seiner Studenten