von Franz Nagel – 1957
Das Fresco in der Apsis (1957) von
Franz Nagel, München, zeigt das himmlische Jerusalem, die hl. Stadt.
In ihrer Mitte thront Christus, der Richter und das apokalyptische Lamm. Die 12 Tore der Stadt mit den 12 Engeln öffnen von allen Windrichtungen den Weg, die 12 Apostel bilden die Grundsteine der Stadtmauer.
Ströme von lebendigen Wasser ergießen sich, neun Goldsteine (Engelschöre) schmücken das himmlische Jerusalem
(vgl. Apc 21).
Das 21. Kapitel der Offenbarung beschreibt die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, das Ziel der Geschichte und die endgültige Heimat der Glaubenden. Die Mauern der Heiligen Stadt tragen auf ihren 12 Grundsteinen die Namen der 12 Apostel des Lammes.
zur Bibelstelle
Das 1.000-jähige Reich war eben zu Ende,
die Grausamkeiten des Krieges, die Ausrottung der Juden, die zerbombten
Städte ...
Franz Nagel, Prof. an der Akademie der bildenden Künste in München
erhält über den Architekten Friedrich Haindl den Auftrag, die Apsis
der Kirche in St. Wolfgang zu gestalten. Derartig monumental zu arbeiten –
es gab nicht viele Künstler, die sich darauf ein ließen. (vgl. auch
Georg Meistermann)
Nagel wählt mit Bedacht das geschlachtete Lamm in der Mitte der hl. Stadt.
Schon früher, nach dem 30-jährigen Krieg, hat der Barock dieses Thema gestaltet. Die Brüder Asam: Vor dem Ostfenster des Chors steht das geschlachtete Lamm, das Osterlamm als Sieger.
Matthias ist der nachgewählte Apostel, der den Platz des Judas Islariot einnimmt.
Paulus gehört nicht in die Reihe der 12 Apostel.
Im urspünglichen Entwurf war an dieser Stelle ein junger, bärtiger mit vollem Kopfhaar und mit Messer dargesteller Bartholomäus.
Im ausgeführten Werk sehen wir einen stirnglatzigen Apostel mit Buch und Schwert: Paulus. Eine Kirche ohne Paulus ist nicht vorstellbar, er muss einen Platz unter den Aposteln bekommen.
Warum gerade Bartholomäus von seinen Ehrenplatz vertrieben wurde, ist unbekannt. Wahrscheinlich war Bartholomäus am leichtesten auszutauschen?
Darüber hinaus zeigt der Entwurf des Werkes die Hl. Stadt und in ihrer Mitte nur das Lamm, das geschlachtet ist, dem alle Ehre zukommt.
Warum der Thron und auf ihm Christus als Richter (Buch mit Alpha und Omega)
und an seiner Rechten er als das Lamm,
der Nimbus für den Vater
und die Taube für den Geist gewählt wurden - also eine »verborgene Dreifaltigkeit -
darüber haben wir keine Aufzeichnungen.
Das Entwurfsbild ist im Pfarrhaus aufbewahrt und zu sehen.